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Welche Folgen hat es, wenn ich meine Stimme nicht trainiere?

Part 3/3

In Teil 1 & 2  dieses speziellen Blogsartikels haben wir dir bereits erklärt, wodurch Heiserkeit entstehen kann:

  • Der Körper steht zu sehr oder zu wenig unter Spannung.
  • Das Zwerchfell (der Motor unserer Atmung) hat keinen Platz sich frei zu bewegen.
  • Dadurch geht die Einatmung nicht bis tief in den Bauch und ins Becken. Sie ist flach und angespannt. Brustkorb, Schultern und das Schlüsselbein heben sich sehr stark (Hochatmung).
  • Du hast nur wenig Luft zum Sprechen übrig.
  • Folglich nimmst du die Kraft beim Sprechen aus dem Hals.

Das kann Kehlkopf und Stimmbänder überlasten und sogar zur dauerhaften Heiserkeit und chronischen Kehlkopfentzündungen führen.  Und: Heiserkeit ist nicht gleich Heiserkeit. Jede Form hat unterschiedliche Ursachen, klingt anders und muss anders behandelt werden. Alle Formen haben eine negative Wirkung auf den Zuhörer und wirken sich ebenso negativ auf das berufliche und private Leben der Betroffenen aus. I

In jedem Fall  kann Heiserkeit ein Symptom für Stimmstörungen sein. Uns ist es ein großes Anliegen, dich über verschiedene Formen von Stimmkrankheiten aufzuklären, um dir zu zeigen, wie wichtig es ist, ihen vorzubeugen und erste Anzeichen so früh wie möglich wahrzunehmen und ihnen entgegenzusteuern. Denn eine ausgeprägte Heiserkeit bringt immer auch psychische Belastungen mit sich und eine Behandlung ist oft sehr langwierig und hat am Ende meist schlechtere Prognosen, als wenn du rechtzeitig für dich sorgst und deine Stimme fit und gesund hältst.

 

1. Funktionelle Stimmstörungen

Funktionelle Stimmstörungen entstehen durch langanhaltend falschen Gebrauch der Stimme. Die Stimm-Muskeln gewöhnen sich an eine falsche Arbeitsweise, wodurch die Stimme heiser und krank klingt. Diese falsche Arbeits- oder Funktionsweise heißt im Fachjargon funktionelle Stimmstörung. Veränderungen am Gewebe des Stimmapparates  gibt es hier noch nicht.

Ein HNO-Arzt oder Phoniater sieht an den Stimmbändern abweichende Schwingungen und Schließungsbewegungen im Vergleich zur gesunden Stimme. Dadurch klingt die Stimme anders – nicht mehr weich, klar und frei, sondern sie knarrt, klingt brüchig, behaucht oder dünn. Wir nennen das ganz volkstümlich Heiserkeit. Die Stimmlage ist meist zu hoch, kann aber auch zu tief (brummend oder kratzig) sein. Mit einer krankhaften Heiserkeit ist deine Stimme auch deutlich weniger belastbar. Die Stimme ermüdet beim Sprechen schnell. Der Betroffene kann die Stimme von der Lautstärke nicht mehr erhöhen, oft aber auch nicht mehr herunterregeln. Auch der Tonumfang der Stimme nach oben und nach unten ist deutlich kleiner. Der Betroffene kann einen Ton nur sehr kurz halten, bevor er abbricht.

In den nächsten Abschnitten zeigen wir dir, welche Arten funktioneller Stimmstörungen es gibt:

 

Überfunktion der Stimme (Hyperfunktion)

Die Stimmbänder pressen beim Schließen mit zu viel Kraft aufeinander. Dadurch klingt die Stimme rau und knarrend. Oft hört sie sich auch kippelnd an oder bricht weg. Betroffene sprechen meistens zu hoch und kommen mit der Tonlage, und mit der Lautstärke kaum nach unten. Achtung!: Wenn du dauerhaft zu laut sprichst und schon gar nicht mehr leiser sprechen kannst, zeigst du bereits deutliche Anzeichen von Überlastung der Stimme und einer Überfunktion.

In meiner Arbeit als Logopäde höre ich aber auch viele Patienten mit Überfunktion, die kaum lauter werden können. Wenn doch, dann wird ihre Stimme meist automatisch höher, weil sie sich umso mehr anstrengen müssen. Dadurch ermüdet die Stimme noch schneller, sodass sie oft schon nach wenigen Minuten keinen Ton mehr herauskriegen.

Betroffene leiden unter einem Kloßgefühl, Kratzen und Trockenheit im Hals. Sie müssen sich ständig räuspern, was zu einem regelrechten Zwang werden kann (Räusperzwang).

Die Ursachen hierfür sind vielfältig:

  • Du sprichst dauerhaft zu laut und gepresst.
  • Du sprichst zu hoch, vielleicht weil du angespannt bist, vielleicht aber auch um bei deinen Kunden am Telefon freundlicher zu wirken.
  • Du räusperst dich ständig, was deine Stimmbänder dauerhaften Druck aussetzt und die Schleimhaut abnutzt.
  • Du hast ungünstige Körperspannungen (vor allem in der Schulter-, Nacken- und Halsregion) und dadurch eine falsche Körperhaltung.
  • Als Folge ist deine Atmung flach und du leidest unter Kurzatmigkeit. Sie führt selbst wieder zu Verspannungen in Schultern, Nacken und Hals – ein Teufelskreis entsteht.

Vielleicht ist deine Stimme bei der Arbeit regelrecht im Dauereinsatz. Vielleicht musst du auch privat viel sprechen. Besonders anstrengend ist es, wenn du häufig mit deiner Stimme Lärm übertönen möchtest, zum Beispiel die Kollegen im Büro, den Lärm, den deine Kinder machen, den Straßenverkehr oder die Baustelle nebenan.  Deine Stimme steht quasi ständig unter Stress und kommt nicht zur Ruhe. 

Psychische Belastungen und häufiger oder dauernder Stress wirken sich auch meist negativ auf die Körperspannung, die Atmung und die Stimme aus. Auch stimmliche Überlastungssituationen gehen oft Hand in Hand mit psychischem Stress.

 

Unterfunktion der Stimme (Hypofunktion)

Seltener als die Überfunktion ist die Unterfunktion der Stimme. Die Kehlkopfmuskeln sind unterspannt und kraftlos. Die Stimmbänder schließen nicht vollständig, wodurch die Stimme behaucht klingt und insgesamt schwach, dünn und leise. Und so werden Personen mit stimmlicher Unterfunktion auch von vielen Mitmenschen wahrgenommen: energie- und antriebslos, nicht durchsetzungsfähig und unscheinbar.

Ursachen können eine allgemeine körperliche Schwäche und unterspannte Haltung sein. Dadurch ist eine freie und tiefe Atmung unmöglich. Kurzatmigkeit entsteht. Sie wird beim Sprechen noch dadurch verstärkt, dass die Stimmbänder nicht vollständig schließen und der Luftverbrauch höher ist. Betroffene schnappen deshalb sehr häufig und hörbar nach Luft. Es entstehen Pausen auch mitten im Satz, was die Wirkung und Verständlichkeit beim Zuhörer negativ beeinflusst – zusätzlich zur leisen, kraftlosen Stimme.

Da Betroffene meist schlechter verstanden werden und sich besonders in Gesprächsgruppen schwer Gehör verschaffen können, versuchen sie häufig, mit viel Kraft dagegenzuwirken. Daraus kann eine Überfunktion mit rauem, knarrenden Stimmklang entstehen. Durch das Pressen wird aber die Behauchung nicht aufgehoben, sondern Rauigkeit und Behauchung sind beide hörbar. Wir sprechen dann von einer gemischt funktionellen Stimmstörung. Sie zu behandeln ist besonders aufwendig, da verschiedene ungünstige Stimmgewohnheiten abtrainiert werden müssen und nicht nur das: Auch die Körperspannung und Atmung zeigt vielschichtige problematische Muster, die der Patient umlernen muss.

 

Therapie/Behandlung funktioneller Stimmstörungen

Funktionelle Stimmstörungen müssen meist durch eine Stimmtherapie beim Logopäden behandelt werden. Diese nimmt viel Zeit in Anspruch. Zunächst musst du dich beim HNO-Arzt oder Phoniater vorstellen, der deinen Kehlkopf untersucht und sich deine Stimme anhört. Er kann dir eine Verordnung zur Stimmtherapie beim Logopäden ausstellen, meist mit 10 Sitzungen. Danach untersucht er dich noch einmal. In aller Regel bekommst du dann noch einmal weitere 10 Therapiesitzungen verschrieben. Diese 20 Sitzungen können ein bis zwei Mal pro Woche stattfinden und nehmen so in etwa zwischen zweieinhalb und sechs Monaten in Anspruch. Wenn du danach noch Therapie benötigst, musst du eine dreimonatige Behandlungspause einlegen.

Nach diesen 20 Sitzungen sind Patienten, vor allem mit mittlerer oder hochgradiger Heiserkeit noch keinesfalls geheilt. Sie haben erst einmal ein Grundverständnis, wie ihrer Stimmstörung entstanden ist und wie eng Körper, Atmung, Stimme und  Aussprache zusammenhängen. Dann müssen sie komplett neue Muster erlernen, um schonender Stimme zu geben (siehe stimmliche Überfunktion) oder sie müssen Stimmkraft aufbauen (siehe stimmliche Unterfunktion). Die Voraussetzung dafür ist eine umfassende Arbeit an der Körperhaltung, an den Körperspannungen, an der Atmung sowie oft auch an einer deutlichen, aber lockeren  Aussprache. Es braucht allein schon viel Zeit, die eigenen ungünstigen, tiefsitzenden Gewohnheitsmuster erst einmal wahrzunehmen und zu verstehen, bevor man an ihnen arbeiten kann.

Die Patienten bekommen Übungen für zuhause. Tägliches Üben ist sehr wichtig, damit die Therapie erfolgreich sein kann.

Ein Hinweis noch:

Oft ist es bereits sehr zeitaufwendig, überhaupt einen geeigneten Therapeuten mit freien Terminen zu finden, denn es gibt weitgehend einen Therapeutenmangel und gleichzeitig eine erhöhte Nachfrage (vor allem durch Kinder und ältere Menschen mit Sprachstörungen).

Du siehst also, eine Stimmtherapie bei einer krankhaften Heiserkeit ist eine durch und durch langwierige und belastende Geschichte. Daher kommt hier schon unser Hinweis: Prävention vor Operation! Und das geht ganz leicht mit unserem Online-Trainingsprogramm STIMMGYM!

  

2 organische Stimmstörungen

Bei organischen Stimmstörungen liegen Veränderungen am Gewebe von Kehlkopf und Stimmbändern vor. Sie beeinträchtigen den Stimmklang und die Leistungsfähigkeit der Stimme oft noch stärker als eine rein funktionelle Stimmstörung. Außerdem können sie noch andere schwerwiegende gesundheitliche Folgen mit sich bringen – besonders dann, wenn dadurch die Atmung oder die Schluckfunktion gestört wird.

Wir schauen uns hier nur die organischen Veränderungen an, die infolge von falschem Stimmgebrauch entstehen. Wir nennen sie sekundär organische Stimmstörungen. Häufig entstehen sie als Folge intensiver Stimmbelastung oder sie entwickeln sich aus funktionellen Stimmstörungen, die nicht oder nur unzureichend behandelt werden.

 

Rötung der Stimmbänder und verstärkte Durchblutung

Wenn du dich auf einer Party bei lauter Musik unterhalten hast oder auf einem Konzert laut mitgesungen hast, dann kann deine Stimme am nächsten Tag schon mal heiser sein und du spürst ein Kratzen im Hals. Das liegt daran, dass die Stimmbänder nach diesem intensiven Einsatz stärker durchblutet werden und deshalb gerötet sind. Das kommt bei fast jedem Menschen mal vor, auch wenn seine Stimme gesund ist und nach wenigen Tagen ist das in aller Regel wieder vorbei. Es ist jetzt nur wichtig, die Stimme so gut es geht auszuruhen und nicht gleich wieder in die Vollen zu gehen. Verzichte nun auch auf alles, was der Stimme schadet und die Schleimhäute reizt: Alkohol, Tabak und säurehaltige Lebensmittel!

Allerdings können dir diese Überlastungserscheinungen zeigen, dass du ohne gesunde Atemtechnik laut gesprochen oder gesungen hast und die Kraft aus dem Hals genommen hast. Deshalb ist es so wichtig, deine Stimme regelmäßig zu trainieren, damit du keine dauerhaften Probleme bekommst, wenn du in deinem Alltag öfter mal laut sprichst.

 

akute Kehlkopfentzündung

Hier sind die Kehlkopfschleimhaut und die Stimmbänder stark entzündet, Stimmbänder und Kehlkopfschleimhaut sind stark gerötet. Meist sind dafür Viren oder Bakterien verantwortlich. Aber auch, wenn du dauerhaft mit zu viel Druck aus dem Hals sprichst, kann das zur akuten Kehlkopfentzündungen führen.

Eine akute Kehlkopfentzündung hörst du nicht nur an einer deutlichen Heiserkeit und schneller Erschöpfung der Stimme, du bemerkst sie auch durch deutliche Schmerzen im Hals, Kratzen und Kloßgefühl. Sprechen und Schlucken sind dann besonders unangenehm.

Dein HNO-Arzt wird dir dann immer Stimmruhe von zwei bis drei Wochen verordnen.  Weißt du was das bedeutet - Stimmruhe?

Absolutes Sprechverbot!:

  • Du kommunizierst nur noch schriftlich!
  • Du schreibst Mails anstatt zu telefonieren!
  • Du schreibst Kärtchen mit der Anzahl der Brötchen, wenn du zum Bäcker gehst!
  • Du schreibst Zettel, um mit deiner Familie zu sprechen!
  • Du kannst die Betreuung deiner Kinder nicht mehr übernehmen !

Das ist richtighart!

Zusätzlich zur Stimmruhe verordnet dir der Arzt Inhalation mit Kochsalz, Kamille oder verschreibt dir schmerzstillende und abschwellende Medikamente.

Ist ein falscher Stimmgebrauch (mit)verantwortlich für die akute Entzündung, folgt nach dieser belastenden Schweigekur meist auch Stimmtherapie, bei der besonders schädliche Muster abgebaut und neue Muster erlernt werden müssen. Das erfordert sehr wahrscheinlich mehr als die 20 Therapiesitzungen, die dir der Arzt laut kassenärztlicher Regelung am Stück verschreiben kann. Nach einer Behandlungspause von 12 Wochen geht der ganze Prozess noch einmal von vorne los. So bist du letztendlich mindestens ein Dreivierteljahr in Behandlung.

 

chronische Kehlkopfentzündung

Eine chronische Kehlkopfentzündung kann entstehen, wenn eine akute Entzündung verschleppt oder nicht ausreichend therapiert wird. Auch eine dauerhafte Belastung der Stimme mit falscher Technik kann über lange Zeit zur chronischen Kehlkopfentzündung führen. Wer raucht oder regelmäßig staubiger oder schadstoffreicher Luft ausgesetzt ist, hat ein zusätzliches Risiko für eine chronische Kehlkopfzündung.

Wie bei der akuten Kehlkopfentzündung leiden Betroffene unter Heiserkeit. Sie haben das dauerhaft das Gefühl, als wäre ein Fremdkörper im Hals, was den Zwang auslöst, ständig zu räuspern. Meist ist die Stimme zusätzlich tiefer, weil es hier bereits deutliche Schwellungen und eine Verhornung im Gewebe der Kehlkopfschleimhaut und der Stimmbänder gibt.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Spielt stimmliche Überlastung hier eine Rolle, ist Stimmtherapie auf jeden Fall notwendig – und die ist hier besonders langwierig und kompliziert! Denn die Gewebsveränderungen rufen selbst eine Stimmstörung hervor. Der HNO-Arzt kann zusätzlich Kortision-Präparate verordnen, die die Entzündungen und Schwellungen eindämmen. Um Heiserkeit zu reduzieren, brauchen Betroffene oft eine langjährige Stimmtherapie. Eine vollständige Heilung der Stimmstörung ist aber überhaupt nur dann möglich, wenn die Entzündung vollständig geheilt werden kann. 

Bleibt eine chronische Kehlkopfentzündung unbehandelt, können Knötchen und andere Wucherungen entstehen, die nur sehr mühevoll behandelt werden können, wie wir dir im nächsten Abschnitt zeigen.

 

Stimmbandknötchen und andere Verdickungen an den Stimmbändern

Wenn du deine Stimme dauerhaft belastest, zu laut sprichst, mit zu viel Kraft aus dem Hals und ohne Pause, dann reiben deine Stimmbänder und ihre Schleimhaut dauerhaft aneinander. Durch den ständigen, mechanischen Reiz können Verdickungen am Rand der Stimmbänder entstehen, in etwa so groß wie Stecknadelköpfe. Sie können an einer oder an beiden Stimmbändern auftreten. Oft sind davon Kinder, die viel schreien und Sänger betroffen. Es kann aber auch Menschen treffen, die schon vorher eine stimmliche Überfunktion hatten und/oder eine chronische Kehlkopfentzündung und darin gar nicht oder nicht vollständig behandelt wurden.

Die Stimme klingt hier rau, da die Knötchen am Rand der Stimmbänder beim Sprechen ständig aneinanderpressen. Außerdem klingt die Stimme immer behaucht, da die Stimmbänder durch die hervorstehenden Knötchen nicht mehr vollständig schließen können und Luft hindurch haucht. 

Das erste Stadium, die sogenannten weichen Knötchen können sich noch von selbst zurückbilden, wenn strenge Stimmruhe eingehalten wird und mithilfe von Stimmtherapie ein schonendes Stimmmuster erlernt wird. Dauert die Stimmbelastung aber weiter an, können daraus harte Knötchen werden, die nur noch operativ entfernt werden können. Vor einer Operation erfolgt gelegentlich eine kurzzeitige Stimmtherapie, um dem Patienten schon einmal eine schonendere Stimmtechnik bewusstzumachen.

Eine Operation ist trotz aller medizinischen Fortschritte (gerade im Bereich der Mikrochirugie) immer mit einem Restrisiko verbunden, das Gewebe zu verletzen und damit dem Gewebe und der Stimme dauerhaft zu schaden.

Nach der OP muss unbedingt Stimmruhe eingehalten werden (ca. 2 Wochen), damit das Gewebe verheilen kann. Danach erfolgt immer eine Stimmtherapie. Patienten müssen sich hier auf eine lange Behandlungsdauer einstellen, da die Ursache immer ein falscher Stimmgebrauch ist, der durch Training mühsam verändert werden muss. Hier muss ein echter Stimmprofi ran, der oft nicht leicht zu finden ist. Denn werden diese schädlichen Stimmmuster falsch oder nicht ausreichend therapiert, ist damit zu rechnen, dass die Knötchen wiederkehren.

 

Andere Verdickungen an den Stimmbändern

Weitere Verdickungen, die durch permanente Belastung entstehen können sind: Polypen, Ödeme oder sogenannte Kontaktgranulome. Sie sind meist größer als die Knötchen und bereiten zusätzlich Atemnot und Probleme beim Schlucken. Auch sie müssen deshalb und können auch meist nur durch eine OP entfernt werden.

 

3 Psychische und soziale Folgen von Stimmstörungen

 

Wenn du dauerhaft heiser bist, kann das in sprechintensiven Berufen zu einschneidenden Problemen führen. Im schlimmsten Fall wirst du berufsunfähig und musst in einen anderen Beruf wechseln. Wenn es dich nicht ganz so hart trifft, kannst du noch verkürzt arbeiten oder du wirst in eine Tätigkeit versetzt, die weitgehend ohne Stimme möglich ist. Aber hier musst du schon Glück haben, eine Stelle zu haben, in der das möglich ist.

Ich und meine Kolleginnen in der Logopädie behandeln am häufigsten Lehrer, wenn es um Stimmstörungen geht. Sie sind besonders von Berufsunfähigkeit durch Stimmstörung bedroht. Denn die Stimme ist für sie das Arbeitsmittel überhaupt! Leider werden aber in ihrem Studium die Themen Stimmbildung und Stimmvorsorge seit vielen Jahren nur noch stiefmütterlich behandelt. Vor allem in Zeiten des Lehrermangels und in der aktuellen Coronakrise, in der vor allem ältere Lehrer ausfallen, müssen ihre Kollegen viele Vertretungsstunden leisten oder sogar mehrere Klassen gleichzeitig betreuen. Sie stehen vor einer enormen Zahl von Schülern, gegen die sie sich stimmlich durchzusetzen müssen. Das ist eine besondere stimmliche und seelische Belastung.

Eine Kollegin berichtete mir von einer Lehrerin, Anfang 40, die bei ihr in logopädischer Behandlung war.

Sie hatte eine deutlich raue Stimme. Durch jahrelangen, falschen Stimmgebrauch hatte sich bei ihr schon eine chronische Kehlkopfentzündung und Stimmknötchen entwickelt. Ihre Stimme war tiefer als normal, sehr brüchig, ermüdete sehr schnell und hielt bei weitem keinen ganzen Schultag mehr durch. Sie war deshalb mehrere Monate krankgeschrieben und hatte wahnsinnige Angst, ihren Beruf ganz aufgeben zu müssen. Durch diese hohe psychische Belastung, die durch die Untätigkeit verstärkt wurde, begab sie sich auch in psychotherapeutische Behandlung. Durch Stimmtherapie wurde sie sich erstmals in ihrem Leben bewusst, mit welchem Verhalten sie ihrer Stimme tagtäglich schadete und was sie in Zukunft ändern kann. Das erweckte in ihr große Hoffnung, dass es mit ihrer Stimme wieder bergauf gehen kann und linderte ihre Angst vor der Berufsunfähigkeit. Trotzdem war es ein jahrelanger Therapieprozess, bis ihre Stimme für den Schulalltag wieder weitgehend einsatzbereit war.

Außerdem gilt es immer zu bedenken, dass eine kranke Stimme auch für andere „krank“ klingt und damit eine unerwünschte Wirkung hervorrufen kann. Davon sind Lehrer ebenfalls sehr betroffen, da bei ihnen Autorität, aber auch Überzeugungskraft und eine interessante Erzählweise gefragt sind, damit die Schüler gut mitarbeiten.

In meine Stimmtherapie kam eine 36-jährige Klassenlehrerin einer 9. Klasse einer Gesamtschule.

Sie sprach leicht heiser, zu hoch und wurde noch höher, sobald sie lauter sprach. Öfter brach ihr dann auch die Stimme weg. Außerdem sprach sie sehr monoton, da ihre Stimme durch die Heiserkeit wenig beweglich in der Melodie war. Sie litt sehr darunter, dass ihre Schüler sie mit ihrer Stimme nicht ernstnahmen und offensichtlich Späße auf ihre Kosten trieben. Der andere Teil der Klasse saß oft sichtlich gelangweilt da, vor allem wenn sie in Geschichte unterrichtete, was sie selbst auf ihre monotone Sprechweise zurückführte. Auch im Privatleben, vor allem gegenüber ihrem sechsjährigen Sohn und ihrem dominanten Schwiegervater hatte sie das Gefühl, sich einfach nicht durchsetzen zu können. Und auch in ihrem Freundeskreis bemerkte sie, dass sie die anderen nur wenig begeistern und mitreißen konnte.

Aber nicht nur Lehrer, auch Leute in vielen anderen Berufssparten sind auf ihre Stimme angewiesen: Erzieher, Führungskräfte, Geistliche, Agenten im Servicecenter, Vertriebsmitarbeiter, Dolmetscher, Flug-/Zugbegleiter und medizinisches Personal. Bist du in einem dieser Berufe und hast du Anzeichen oder stimmliche Einschränkungen, die wir unter Abschnitt 2 und 3 beschriebenen haben, so hast du dringenden Handlungsbedarf! Nur eine mühevolle, langwierige Stimmtherapie kann dich vor drohender Berufsunfähigkeit beschützen. Wir sprechen hier von einer medizinischen Intervention, die nicht gleichzusetzen ist mit dem präventiven Ansatz, das heißt einer grundsätzlichen Stimmausbildung, wie sie vor allem im Lehrerberuf eigentlich erforderlich ist oder regelmäßigem Stimmtraining, um Gefahren vorzubeugen. Hier passt das altbekannte Sprichwort: Vorsorge ist immer besser als Nachsorge.

Am Ende der Spirale steht, wie du in den Beispielen gesehen hast, oft auch eine psychische Folge: Angst! Angst vor Stimmversagen und Berufsunfähigkeit. Lass es nicht soweit kommen!  Wenn du einen sprechintensiven Beruf oder Hobby hast, empfehlen wir dir JETZT deine Stimme zu trainieren, um Schlimmeres zu verhindern.

Mit unserem Online-Trainingsprogramm STIMMGYM kannst du auch bequem von zuhause aus, selbständig, unabhängig von Ort, Zeit und anderen Personen trainieren. In nur 4 Wochen kannst du so an den „Stellschrauben“ drehen, die nötig sind, um langfristig effektiv und stark bei Stimme zu sein. Hier legst du den Grundstein dafür, dass du auch morgen noch kraftvoll zusprechen kannst! :-)

In unserem Workbook 10 essentielle Profitipps für eine starke, gesunde und wirkungsvolle Stimme erfährst du, wie du im Alltag besondere Gefahrenquellen für die Stimme vermeidest und so  für eine gewisse Erleichterung sorgst!

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